Bisexualität – ein dunkles Eck der Gesellschaft

Es wird nicht darüber gesprochen, aber sie ist da. Bisexualität ist ein Thema, das gesellschaftlich unter den Teppich gekehrt wird. Menschen, die sowohl für das andere, wie auch das eigene Geschlecht Lust empfinden, passen einfach nicht in eine Schublade und werden deshalb einfach totgeschwiegen. Unsere Gesellschaft ist von einem starken Schubladendenken geprägt. Wir können mit Dingen umgehen, die mit “ja oder nein”, “gut oder schlecht”, “schwarz oder weiß” zu beantworten sind. Auf Bühnen werden die Gesellschaftsnormen hin und wieder ein wenig durchgerüttelt, wenn sich zum Beispiel eine Madonna mit Britney Spears leidenschaftlich küsst. Auch Berühmtheiten wie Lady Gaga oder Amy Winehouse haben aus ihrer Lust zum gleichen Geschlecht kein Geheimnis gemacht. Es ist unglaublich, aber sogar die gute, alte Inge Meysel hat sich zu ihrer Vorliebe für beide Geschlechter bekannt. Frauen haben es einfacher, mit dieser Lust umzugehen. Für Männer stellen sich einige Probleme in den Weg, wenn sich sich zur Bisexualität bekennen möchten.

Bisexualität

Der einfachste Lebensweg ist sicherlich der, in die Schablone zu passen. Hetero-Menschen kommen einfacher durchs Leben. Es ist aber wichtig, vor sich und der Gesellschaft ehrlich Stellung zu beiziehen und dieser Schritt erfordert eine Menge Mut. David Bowie oder Mika haben sich zu diesem Schritt entschlossen.

So ist es einfach

Bisexualität lässt sich nicht einfach zuordnen. Bis heute ist es nicht einmal gelungen, einen offizielle Definition dieser Gesinnung in Worte zu fassen. In den USA wird für die Zuordnung gern eine Messskala genutzt, die vom bekannten Sexualforscher Kinsey angelegt wurde. Auf dieser Skala gehen die Werte von Null bis Sechs. Null ist absolut hetero-sexuellen Menschen vorbehalten, Sechs steht für Homosexualität. Die Zwischenstufen dienen der Einschätzung, ob und wie stark jemand bisexuell geprägt ist. Die Frage, ab wann Bisexualität gegeben ist, steht auch dauerhaft im Raum. Ist schon jemand betroffen, der sexuelle Fantasien mit Menschen gleichen Geschlechts hat, auch wenn er realen Sex in der Hetero-Welt praktiziert?

Zeit der Orientierung?

Es gibt Wissenschaftler, die eine Phase der Bisexualität als eine Orientierungszeit beschreiben, in der ein Betroffener sich seiner sexuellen Orientierung nicht sicher ist. Wissenschaftler der Universität Utah lehnen diese These jedoch ab. Sie sehen es als bewiesen an, das die Bisexualität eine eingeständige sexuelle Orientierung ist. Die Studie lief über einen langen Zeitraum von 10 Jahren. Alle Frauen, die zu Beginn dieser Zeit bisexuell orientiert waren, waren es am Schluss auch noch.

Zeit der Orientierung

Andere Fachleute streiten ab, dass es Bisexualität überhaupt gibt. Sie sind der Meinung, dass es sich bei diesen Menschen um homosexuell geprägte Personen handelt. Der gesellschaftliche Druck würde diese Menschen dazu treiben, auch das andere Geschlecht in Erwägung zu ziehen. Besonders in Bezug auf männliche bisexuelle Personen gehen Wissenschaftler von einer Kopfsache aus. In der Studie kam es dazu, dass jeweils ca. 30 Männern (hetero-, bi- und homosexuell) einer Gruppe Videos gezeigt wurden, in denen gleichgeschlechtliche Paare Sex hatten. Es war Aufgabe der Studienteilnehmer anzugeben, wie stark sie durch diese Filme erregt wurden. Hetero- und homosexuelle Menschen zeigten übereinstimmende Reaktionen. Die Reaktion der bisexuellen Personen war allerdings merkwürdig. Obwohl sie angeblich durch beide Filmarten erregt wurden, war die körperliche Reaktion auf eine der Filme allerdings stärker und zwar in der Regel auf die männlichen Filme.

In jedem Alter und jeder Lebenslage

Bisexualität ist keine Sache der Jugend, die noch auf der Suche nach der sexuellen Identität ist. Es kann in jedem Alter auftreten. Sehr viele Betroffene liegen im Lebensalter über 30 Jahre.

Die Bisexualität ist meistens nicht so stark ausgeprägt, dass sie auch ausgelebt werden muss. Es gibt viele Betroffene, die zwar die bisexuelle Neigung erkannt haben, aber trotzdem das bürgerliche Hetero-Leben weiterführen. Es ist das Gleiche, als wenn jemand ständig an einen Seitensprung denkt, dies aber nie tut. Dann gibt es solche Personen, die ihre Bisexualität in Phasen ausleben. Sie führen für eine Weile eine Hetero-Beziehung und dann wieder eine Homo-Beziehung. Es ist nicht selten, dass dem jeweiligen Partner die Neigung verschwiegen wird.


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